Triebwagen 187 001

GHE T1 (187 001)

Triebwagen GHE T1 (187 001)


Konstruktion

Allgemein:
zweiachsiger Triebwagen mit dieselmechanischen Antrieb
Wagenkasten:
geschweißter Stahlleichtbau; an beiden Fahrzeugseiten in Höhe der beiden Endführerstände einfache Seitentüren
Rahmen:
?
Laufwerk:
Antriebs- und Laufachse im Fahrzeugrahmen mit Rollenlagern gelagert
Antrieb:
Dieselmotor ursprümglich von Daimler-Benz, später Lkw-Motor aus Werdau, seit August 2001 regenerierter Motor; pneumatisch betätigtes 4-Gang-Getriebe Bauart Mylius
Bremsausrüstung:
Scheibenbremsen mit Auslösung durch Druckluft (Knorr-Bremsventil) und Spindelbremse (Feststellbremse)
Elektrik:
24-V-Bordnetz
 

Fahrgastraum 'GHE T1' - 8,2/52,6 KB
Fahrgastraum des GHE  T1 im Zustand von 1989 bis 2009
Foto: Klaus Gottschling
Vergrößern 52,6 KB

Führerstand des 'GHE T1' - 7,6/65,0 KB
Führerstand des GHE  T1 im Zustand vor 2010
Foto: Klaus Gottschling
Vergrößern 65,0 KB

 

Foto

Triebwagen 'GHE T1' - 11,3/64,5 KB
Triebwagen GHE  T1
Foto: Klaus Gottschling
Vergrößern 64,5 KB

Daten
Betriebsnummern 1) GHE T1 (1933)
133 522 (1949)
VT 133 522 (ab ?)
187 001 (1970)
Hersteller Waggonfabrik Dessau
Baujahr(e) 1933
Fabriknummer(n) unbekannt
Betriebsgattung 3) KBaao
Kurzbezeichnung 4) A1 dm
Motor Original: Daimler-Benz 47,8 kW (65 PS) 
nach 1. Umbau: Kraftfahrzeugwerk "Ernst Grube" Werdau; EM 4-22/90, 66 kW (90 PS) (von Lkw IFA S 4000-1); Wirbelkammer-Dieselmotor 
ab 09.08.2001: VEB IFA Motorenwerk Nordhausen; regenerierter 4 VD 14,5/12,1 SRW, 92 kW (125 PS) (vom Lkw IFA W50), Motor-Nr. 14554; 4-Zylinder-Reihenmotor, Dieseldirekteinspritzung, M-Verfahren  
Getriebe Mylius (4 Gänge, mechanisch, pneumatisch betätigt)
Leermasse 8,0 t
Dienstmasse
(volle Vorräte)
12,0 t
Länge über Puffer
(LüP)
8600 mm
Höhe über SO 3450 mm
Achsstand 4000 mm
Raddurchmesser 700 mm
Höchstgeschwindigkeit
(vorw./rückw.)
40/40 km/h
30/30 km/h*)
kleinster befahrbarer
Gleisbogen
30 m
Anzahl Sitz-/Stehplätze 34/10
28/?**)
Heizung Kohleheizung mit Warmwasserumlauf
Bremse K m Z (Knorr-Bremse mit Zusatzbremse)
druckluftbetätigte Scheibenbremsen; Spindelbremse als Feststellbremse
*) vor Motortausch 08/2001
**) nach Aufarbeitung im Jahr 1989

Triebwagen 'GHE T1' - 4,4/12,9 KB
Skizze vom Fahrgastraum des Triebwagens GHE  T1
Zeichnung: Klaus Gottschling
Vergrößern 12,9 KB

weitere Informationen bei:
"Dampf mitten im Harz" (Holger Voigt)
Literaturquelle für Nachbau in H0m

Triebwagen-Lebenslauf

Zum kostensparenden Betrieb auf den schwach frequentierten Streckenabschnitten und in den Tagesrandlagen erwarb die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft (GHE) von der Waggonfabrik Dessau im Jahr 1933 einen zweiachsigen Diesel-Triebwagen. Das Fahrzeug erhielt die Bahnnummer GHE  T1. Statt einen zweiten Triebwagen zu beschaffen, entschloß sich die GHE zur Beschaffung eines Kraftomnibusses.
Einen baugleichen Triebwagen lieferte die Waggonfabrik Dessau 1934 für die Weimar-Großrudestedter Eisenbahn. Der T 06 hatte jedoch 45 mm größere Räder (745 mm Raddurchmesser) und war für 50 km/h Höchstgeschwindigkeit zugelassen.

Am Ende des zweiten Weltkrieges stand der GHE  T1 im Lokschuppen des Bahnhofs Eisfelder Talmühle und wurde nach Wernigerode gebracht. Dadurch gelangte der Triebwagen nicht wie die anderen Fahrzeuge und das Gleismaterial der Selketalbahn als Reparationsgut in die Sowjetunion.
Die Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft (NWE) setzte den GHE  T1 auf dem ab 1946 von ihr betriebenem Reststück der Selketalbahn Eisfelder Talmühle - Hasselfelde ein.

Gerätewagen 187 001 (ex. GHE T1) vor dem Lokschuppen im Bahnhof Gernrode
Gerätewagen 187 001 (ex. GHE T1) vor dem Lokschuppen im Bahnhof Gernrode
Sammlung: FKS
Triebwagen GHE 1 mit Beschriftung „187 001“ in Wernigerode-Westerntor am 24.01. 2011
Triebwagen GHE T1 mit Beschriftung „187 001“ in Wernigerode-Westerntor am 24.01. 2011
Foto: Jürgen Steimecke
Fahrgastraum des Triebwagens Triebwagen GHE T1 nach der Aufarbeitung im Dampflokwerk Meiningen
Fahrgastraum des Triebwagens Triebwagen GHE T1 nach der Aufarbeitung im Dampflokwerk Meiningen
Foto: Jürgen Steimecke

Im Jahr 1950 konnte auf der ab Oktober 1946 wiederaufgebauten Selketalbahn zwischen Gernrode und Lindenberg (1952 in Straßberg umbenannt) durch die Deutsche Reichsbahn der Personenverkehr aufgenommen werden. Deshalb brachte man den Triebwagen GHE T1 auf seine Stammstrecke zurück und gab ihm die Reichsbahn-Nummer 133 522 (später VT 133 522). Mit Eintreffen der Mallet-Loks der Harzquerbahn in Gernrode 1956 bestand kein Bedarf mehr am Einsatz des Triebwagens. Die DR baute das Fahrzeug 1963 zu einem Gerätewagen mit eigenem Antrieb um. Vermutlich wurde bei diesem Umbau auch der Originalmotor gegen einen Lkw-Motor aus Werdau ausgetauscht. Im Zusammenhang mit der Umstellung auf EDV-Nummern vergab man dem Tw die Nummer 187 001. Nochbis zur Abstellung im Jahr 1978 war er als Gerätewagen im Einsatz.
Da der Triebwagen das letzte aus der GHE-Zeit stammende Triebfahrzeug ist, ließ ihn die Reichsbahn 1989 im Bahnbetriebswerk Haldensleben zu einem betriebsfähigen Museumsfahrzeug mit Beschriftung "GHE T1" aufarbeiten. Bei der Gestaltung des Fahrgastraums verzichtete man auf den Einbau von Sitzen nach historischem Vorbild. Man baute Sitze ein, wie sie in den Wagen der Doppelstockeinheiten aus den 1950er Jahren zu finden waren.

Auch der Triebwagen 187 001 gehört seit Februar 1993 zum Fahrzeugbestand der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB). Er war hauptsächlich in der Einsatzstelle Gernrode beheimatet und wurde für Sonder- und Charterfahrten eingesetzt.

Am 09.08.2001 wurde der verschlissene S4000 Lkw-Motor prophylaktisch durch einen regenerierten W50 Lkw-Motor ersetzt. Mit dem leiseren Motor darf der Triebwagen statt mit 30 km/h Höchstgeschwindigkeit nun maximal 40 km/h fahren.

Nach Ablauf der Unterhaltungsfrist im Jahr 2007 stellte die HSB den Triebwagen ab. Von Herbst 2008 bis Anfang Oktober 2010 befand sich das Fahrzeug zur Aufarbeitung im Dampflokwerk Meiningen. Neben der technischen Aufarbeitung erfolgte eine Aufarbeitung des Fahrgastraums. Verschlissene Holzteile wurden ersetzt. Die Sitze erhielten Textilbezüge.
Nach Rückkehr aus Meiningen baute die HSB in ihrer Werkstatt eine Sicherheitsfahrschaltung (Sifa) ein, um den Triebwagen künftig ohne Beimann einsetzen zu können.


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